Lies and let die…
Vor ein paar Jahren hat man, wenn es um den Fortbestand der gedruckten Tageszeitung geht, gerne die nachfolgende These vertreten: Es gebe da ein paar ganz wundervolle crossmediale Optionen, eigentlich sei die Tageszeitung ja wie geboren dafür. Weil die Ergänzung zwischen dem schnellen und nachrichtenorientierten Netz auf der einen und der quasi entschleunigten Zeitung auf der anderen Seite nahezu perfekt sei. Man nimmt sich nach einem hektischen Tag im Netz gerne mal die Zeitung in die Hand und liest dann all die schlauen Kommentare, Analysen und Hintergründe, die während des Tages viel zu kurz gekommen sind. Man könnte also meinen, das Netz sei der beste Grund für die Zeitung danach. Würde man dem folgen, was manche Menschen schon seit vielen Jahren fordern (nämlich: weg von der Nachicht, hin zur Geschichte) es müsste unseren Zeitungen an sich gut gehen.
Seit ein paar Jahren gibt es auch noch eine andere Theorie. Derzufolge sind es vor allem die regionalen Tageszeitungen, die mittelfristig gefährdet sind. Die großen, überregionalen Blätter sind davon weniger betroffen. Über die vermeintlichen Schwächen von Regionalblättern ist viel geredet und geschrieben worden. Naheliegend, wenn man zudem bedenkt, dass ein Blatt wie SZ in den vergangenen Jahren der negativen Auflagenentwicklung weitgehend getrotzt und in dem einen oder anderen Quartal sogar leicht zugelegt hat.
Vorbei, das alles, so wie es aussieht. Betrachtet man die Auflagenentwicklung der Tageszeitungen im letzten Quartal 2011, dann fallen zunächst zwei Dinge auf. Zum einen: Bei den Regionalzeitungen sind die größten Gewinner die mit den wenigsten Verlusten. So weit ist es inzwischen also schon, dass man sich als Sieger fühlen darf, wenn man ein bisschen weniger verliert als die anderen. Die Verluste sind in den seltensten Fällen wirklich dramatisch, eher bewegen sich die Auflagen in einem langsamen Sinkflug. Allerdings: Dieser Sinkflug hält nun beinahe schon seit 15 Jahren an. Es gibt nicht ein einziges Indiz dafür, dass sich daran etwas ändern wird. Was das bedeutet, kann man sich leicht ausrechnen. Obwohl ich nicht daran glaube, dass die gedruckte Zeitung komplett vom Markt verschwinden wird, ebenso wenig wie gedruckte Bücher. Aber unausweichlich ist: Das gedruckte Medium wird in jeder Hinsicht weiter an Bedeutung verlieren, was viele Redaktionen in die absurde Lage versetzt, kaum etwas richtig machen zu können. Es ist das Medium, das langsam stirbt, nicht zwingend der Journalismus, die Inhalte, die gute Geschichte. Anders und salopper formuliert: Das Publikum liest die Zeitung nicht mehr, weil es eine Zeitung ist. Weil es Papier ist. Weil es das Medium ist, das seine Zeit hatte und irgendwann mal das sein wird, was die gute alte Schallplatte heute im Musikgeschäft ist. Etwas für Liebhaber und Nostalgiker, aber nichts mehr für den Massenmarkt.
Speziell für die Regionalzeitungen kommt aber neben den beschriebenen Effekten der Digitalisierung auch noch anderes hinzu: Sie werden sich einem verstärkten Wettbewerb stellen müssen. Das ist deshalb neu und ungewohnt zugleich, weil die meisten schlichtweg keine Wettbewerbssituation kennen und nie gekannt haben. Regionalzeitung, das bedeutete bisher eben immer auch: Quasi-Monopolist mit dem Stellenwert einer beinahe amtlichen Einrichtung. In einen bestehenden Markt einer Tageszeitung erfolgreich einzudringen, das galt bislang als ein weitgehend aussichtsloses Unterfangen. Das hat sich geändert, weil der Kosten- und Produktionsaufwand beispielsweise für einen Lokalblogger nicht mehr im Mindesten mit dem einer neuen Zeitung vergleichbar ist. Und, ja, auch deswegen: Das Publikum hat viele der Zeitungen in den letzten Jahrzehnten zunehmend öfter so empfunden, wie man halbamtliche Einrichtungen eben empfindet. Man nutzt sie, man braucht sie ein Stück weit auch. Aber man liebt sie dafür nicht unbedingt und die emotionale Bindung ist auch eher überschaubar. Über die vielerorts fehlenden digitalen Alternativen ist (auch auf dieser kleinen Seite) ausreichend viel geschrieben worden, als dass man das Thema noch ausführlich erläutern müsste. Was lediglich erstaunlich ist: In nicht wenigen Häusern ist man sich in den Redaktionen durchaus darüber im Klaren, dass ihre digitalen Angebote selten zukunftsweisend sind. Dagegengehalten wird trotzdem selten. Zumal — auch das muss man aus Journalistensicht durchaus einräumen — speziell bei Redaktionen der Altersschnitt gerne mal jenseits der 40 liegt. Und dass Kollegen dieses Alters nicht immer begeistert sind, sich nochmal auf völlig neue Dinge einzulassen, wer wollte das bestreiten? Ganz und gar kein Journalistenphänomen, das.
Interessant und auch durchaus neu ist allerdings, dass auch die großen, überregionalen Blätter wie die SZ oder die FAZ inzwischen mit Auflagenschwund zu kämpfen haben. Ebenfalls: nicht dramatisch, keine Zahlen, die sofort alle Alarmglocken schrillen lassen. Aber eben doch Zahlen, die belegen, dass es auch für sie mit den Auflagen nicht mehr nach oben gehen wird, so sehr sie sich auch mühen werden. Überleben? Ja doch, mit guten Onlineangeboten, mit gutem Journalismus für Tablets, die zu den Datenträgern und Ausspielkanälen der Zukunft werden dürften. Die Prognose sollte nicht zu gewagt sein: So, wie momentan noch in jedem gepflegten Haushalt Printerzeugnisse auf dem Wohnzimmertisch liegen, werden in zehn Jahren die elektronischen Lesegeräte Standard sein. Man kann sich dort jetzt einen guten Platz sichern, man kann es auch lassen. Erstaunlich jedenfalls ist, wie wenig Stellenwert viele Häuser diesem Markt immer noch beimessen, auch die überregionalen Zeitungen tun sich dort im Regelfall nicht durch übertriebenes Engagement hervor. Wann kommt eigentlich mal ein großes deutsches Blatt mit einem richtig großen Wurf? Bisher muss man sich ja freuen, wenn man das Attribut “solide” vergeben darf, bei manchen klugen Köpfen langt es nicht einmal dafür.
Sicher ist: Noch hätten die meisten ihr Überleben durchaus selbst in der Hand. Interessiertes Zuschauen, wie sich etwas entwickelt, hat allerdings bisher noch niemanden gerettet. Zumal sich speziell mit der Entwicklung der Tablets auch anderes gezeigt hat. Spätestens jetzt ist die Geschichte von den langen und hintergründigen Texten, die man ja doch nur gedruckt ordentlich genießen kann, eine Mär. It´s the story, stupid.
(Dieser Beitrag ist auch deswegen entstanden, weil ich am 19.4. zu diesem Thema auf einem Panel in Hannover u.a. mit dem Vorsitzenden des BDZV, Helmut Heinen, diskutieren werde.)
Universalcode, das Update zwischendrin
Nein, natürlich ist das mit dem “Universalcode” noch lange nicht vorbei. Momentan gehen die Planungen für das E-Book in den Endspurt, im Frühjahr sollte es hoffentlich soweit sein. Drüben auf dem Portal hat sich auch einiges getan, die erste Auflage hat sich sehr gut angelassen — und es gibt noch die eine oder andere Kleinigkeit in der Pipeline, die aber momentan noch nicht wirklich spruchreif sind.
Und weil es ja diese hübsche Tool namens Storify gibt – gibt es hier die letzten Monate im Zeitraffer:
Der einsame Mann in Schloss Bellevue
Man muss sich Christian Wulff als einen sehr einsamen Menschen vorstellen. Als einen, der seine letzten Tage im Schloss zubringt, der Unterstützung aus der Politik entzogen und vermutlich auch ohne Rückhalt in der Bevölkerung. Sturmreif geschossen von Journalisten, die ganz im Auftrag des Volkes jeden Tag aufs Neue Ungeheuerliches ans Tageslicht brachten. Deswegen wird es jetzt, richtig, zunehmend einsam:
Und der Vollständigkeit halber lesen wir dann noch das hier — um sicherzugehen, wie einsam der Bundespräsident inzwischen ist:
Die Mehrheit der Deutschen findet, dass die Medien den Bundespräsidenten ungerecht behandeln. In einer repräsentativen N24-Emnid-Umfrage beklagen 53 Prozent der Befragten einen “unfairen” Umgang mit Christian Wulff. Nur 42 Prozent halten die Berichterstattung in der Affäre Wulff für “fair”.
Die Medien-Schelte fällt je nach Altersgruppe sehr unterschiedlich aus. So finden sogar 63 Prozent der Jüngeren (bis 29 J.) den journalistischen Umgang mit Christian Wulff “unfair” – bei den Älteren (50+ J.) sind es nur 49 Prozent.
Angesichts der immer weiter schwelenden Affäre um den Bundespräsidenten plädieren die meisten Deutschen nun für einen Neuanfang – und zwar mit Christian Wulff. So sagen 64 Prozent der Befragten, Wulff habe eine “zweite Chance” verdient. Nur 33 Prozent wollen ihm diese “zweite Chance” verwehren.
Wie Journalisten mal den Wulff retteten
Wenn Christian Wulff seinen Enkeln in 20 Jahren mal die Geschichte seiner wundersamen Rettung im Amt des Bundespräsidenten erzählen wird, dann könnte seine Erzählung damit enden: “…und stellt euch vor, gerettet haben mich die, die mich eigentlich stürzen wollten.” Und wenn die Enkel dann fragen “Die Geerkens?”, wird der Alt-Bundespräsident laut lachen, an seinem Saft nippen, den er so gerne trinkt, und sagen: “Nein, von den Journalisten.”
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Zurück im Jahr 2012 muss man erstmal feststellen, dass es eigenartige Tage sind und ein bizarres Schauspiel zudem. Journalisten versuchen sich in Machtspielen, verbeißen sich seit Tagen in Angelegenheiten, zu denen es schon seit Wochen nichts neues mehr zu berichten gibt – und lösen statt der zunächst befürchteten Staatskrise (die natürlich nie ernsthaft zur Debatte stand) eher eine Journalismuskrise aus. Kann es sein, dass das Publikum gerade genervt von uns ist? Weil es festzustellen glaubt, dass es hier inzwischen nicht mehr um die Sache, sondern ums Prinzip geht? Diejenigen, die seit Wochen die Causa Wulff immer und immer wieder am Leben zu halten versuchen, haben Wulff unter dem Strich den größtmöglichen Gefallen getan: Indem sie die Anforderungen und die “Enthüllungen” bis ins Groteske überzeichnet haben, ist ein Solidarisierungseffekt mit Wulff entstanden, den niemand wollte – und der paradoxerweise die Argumentation des Schlossherrn stützt: Irgendwas muss aber dann auch mal wieder gut sein. In der vergangenen Woche nahm die Berichterstattung um Wulff endgültig groteske Züge an. Bettina Schausten wollte die 150-Euro-Bezahlpflicht für Übernachtungen bei Freunden einführen und der “Spiegel” zeigte sich in der jüngsten Ausgabe besonders investigativ: Der Wulff, so konnte man dem Blatt entnehmen, war schon immer so. Bereits 2008 nämlich habe Wulff gegenüber Kindern gestanden, sich durchaus merken zu können, wenn jemand kritisch über ihn berichte. Und dass er den entsprechenden Redakteur dann schon auch mal damit konfrontiere (sowas aber auch). Die Nachricht war also, dass ein Politiker sich über schlechte Presse ärgert und dem auch mal Luft macht. Diese Meldung kann man vermutlich über ungefähr jeden Politiker in diesem Land veröffentlichen und vermutlich nimmt es nicht mal der Papst immer gelassen, wenn er unerfreuliche Dinge über sich und seine Kirche irgendwo lesen muss. Kurz gesagt: Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem alles gesagt worden ist, nur noch nicht von jedem.
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Zu lesen war dann heute auch noch, dass sich angeblich die Kanzlerin und ihre Koalition intern Gedanken machen, wer im Fall der Rücktrittsfälle auf Wulff folgen könnte. Das kann man natürlich ebenfalls als Beleg dafür werten, wie eng es für den Bundespräsidenten werden könnte, zeigt aber auf der anderen Seite sehr hübsch, wie der (Berliner) Politikjournalismus funktioniert. Natürlich werden sie sich ihre Gedanken gemacht haben im Kanzleramt, weil man ja umgekehrt die Verrisse der Politik nicht lesen wollen würde, sollte Wulff tatsächlich zurücktreten und Frau Merkel stünde vor der Presse und würde sagen: Das überrascht mich jetzt. Über einen Nachfolger haben wir nicht eine Sekunde lang nachgedacht. Man stellt sich dann einen entrüsteten Herrn Deppendorf vor, der in den Tagesthemen die Frage stellt, ob Frau Merkel eigentlich von allen guten Geistern verlassen sei. Noch dazu, wo jetzt schon ein gewisser Karl-Georg Wellmann als erster Abgeordneter der Union den Rücktritt Wulffs gefordert hat. Man darf in dem Zusammenhang gespannt sei, ob man den Namen Karl-Georg Wellmann jemals wieder in den Schlagzeilen von Spiegel oder SZ lesen wird. Vermutlich eher: nein. Aber wenn doch jetzt endlich mal einer aus der Union den Rücktritt fordert, darf man es bringen, selbst wenn es ein Hinterbänkler war. Zur Stunde berichtet “Spiegel Online” zudem noch, dass auch der Vorsitzende des DJV, Michael Konken, seine Teilnahme am Neujahrsempfang des Präsidenten abgesagt hat. Kann es noch klarere Anzeichen dafür geben, dass es um Wulff demnächst geschehen ist?
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Der Sache selbst (und sich selbst natürlich) haben die Dauerempörten in den Redaktionen keinen sehr großen Gefallen getan. Weil es in der Sache natürlich diskussions- und fragwürdig ist, wenn ein Bundespräsident merkwürdige Kontakte zu reichen Freunden unterhält, sich überaus günstige Kredite besorgt und Chefredakteure und Verlagsmanager anruft, um die Berichterstattung wenigstens zu seinen Gunsten zu beeinflussen. Über diese Sache wird zunehmend weniger geredet, weil es irgendwann einen Solidarisierungseffekt mit jemandem gibt, der als Opfer einer Treibjagd empfunden wird. Am Ende, so schrieb Jakob Augstein heute bei “Spiegel Online”, profitieren davon die, die davon nicht profitieren sollten: die Wulffs und die Guttenbergs. Wulff ist nicht zurückgetreten und wird es allem Anschein nach auch nicht tun. Das kann man bedauern oder eben auch nicht. Einen Rücktritt brachial herbeizuführen, sollte allerdings nicht der Job von Journalisten sein.
Funktionsmusik für Erotikfilmvorführungen in Einzelkabinen
Es gibt Einrichtungen, bei denen es sehr schwer fällt. sie zu mögen. Die GEZ ist beispielsweise so etwas. Oder die GEMA. Die musste man vor Jahrmillionen nicht kennen, weil man als Normalbürger nichts mit ihr zu tun hatte. Seit ein paar Jahren aber kommt der durchschnittliche YouTube-Nutzer in Deutschland vor allem dann mit diesem Namen in Berührung, wenn er mal wieder ein Musikvideo anschauen erfolglos ansehen will. Journalisten hatten mit der GEMA im analogen Zeitalter auch eher weniger zu tun. Seit es jedoch das Netz mit all seinen hübschen multimedialen Möglichkeiten gibt, steht man regelmäßig vor der Frage: Mensch, unter dieses Video, unter diese Audiospur etwas Musik – wäre das nicht was?
Da sei die GEMA vor! Wer etwas produziere will mit Musik, muss sich die Rechte sichern. Soweit so gut, man will ja niemanden bestehlen, als Urheber macht man das bei anderen Urhebern schon gleich gar nicht. Doch dann kommt die GEMA, der Verständnis für Nutzerfreundichkeit und Plausibilität in hartem Konkurrenzkampf mit dem der GEZ steht. Eine Frage, die man sich als juristisch nur so mittelgut bewanderter Laie stellt, ist beispielsweise die: Welche Lizenz brauche ich überhaupt wofür? Auf eine einfache Frage bzw. Stichwortsuche har die GEMA-Webseite viele Antworten parat, auf den Suchbegriff “Lizenz” beispielsweise 104:
Wir lernen dann, dass man beispielsweise für Filmvorführungen in Einzelkabinen selbstverständlich eine GEMA-Lizenz braucht die aber nicht zu verwechseln ist mit der für Erotikfilmvorführungen in Einzelkabinen, weil das nämlich ein Unterschied ist, der allerdings die Frage aufwirft, wer in Gottes Namen sich eigentlich in Einzelkabinen was anderes anschaut als Erotikfilme. Misanthropen, die die Nähe anderer nicht ertragen?
Aber egal, nachdem das für unsere Zwecke nicht in Betracht kommt, suchen wir weiter. Wir stolpern erst über die Freizeichenuntermalungsmelodien (Soundlogos und Ringback Tones) on-Demand mit Speicherung für den Endnutzer (Tarif VR-OD 6) und die Konzerte der ernsten Musik (Tarif E), ehe wir uns denken: Die Hintergrund- und Funktionsmusik für Internetseiten, das könnte es sein. Allerdings verrät uns ein erster Blick in diese Hintergrundfunktionsdingenskirchen, dass es, unbeschadet davon, ob es sich dabei überhaupt um dem richtigen Tarif handelt, schwierig werden könnte, die korrekte Anwendung und die daraus resultierenden Kosten zu berechnen. Weil:
Der Musikanteil errechnet sich aus dem Verhältnis der Anzahl der Zugriffe auf die zugänglich gemachten Werke des GEMA-Repertoires einer Internetseite zur Gesamtanzahl der Zugriffe auf sämtliche Inhalte der- selben Internetseite.
Im Hinblick auf Musikanteile über 75% wird auf Abschnitt V. 4. verwiesen.
Allerdings stellt sich dann aber raus (wenn ich das richtig verstanden habe), dass dieser Tarif nur für die Musik auf der Seite gilt, nicht aber für Filme und Audios, die man auf der Seite hat. Weil:
Diese Vergütungssätze finden keine Anwendung für die Nutzung von Werken des GEMA-Repertoires auf Internetseiten, für die eigene Vergütungssätze bestehen. Dies gilt insbesondere für Angebote im Internet, deren Zweck die entgeltliche oder unentgeltliche Übermittlung der Werke des GEMA-Repertoires an den Endnutzer ist, wie z.B. für Ruftonmelodie-, User-generated-content-Nutzungen, Freizeichenuntermalungen, Music-on-Demand, Filmvideo-on-Demand, Webradio, Web-TV und Podcasting. In diesen Fällen finden die einschlägigen Vergütungssätze Anwendung. Im Falle von Internetseiten mit Werken des GEMA-Repertoires als Hintergrund- oder Funktionsmusik mit Musikanteilen über 75% (vgl. Abschnitt I.) finden die On-Demand-Vergütungssätze Anwendung. Soweit das Angebot der Internetseite auch andere als die mit diesen Vergütungssätzen geregelte Nutzun-gen umfasst und/oder andere als die tariflich geregelten Rechte berührt, sind die betreffenden Rechte gesondert nach den einschlägigen Vergütungssätzen zu erwerben.
Schwierig, das. Auf der Webseite zu “Universalcode” habe ich diverse Videos und auch Audios, die man gemeinhin als “Podcast” bezeichnen könnte. Ist die Webseite zu Universalcode jetzt eine, deren Zweck die entgeltliche oder unentgeltliche Übermittlung des GEMA-Repertoires ist? Nö, denke ich mir, die Seite mag viele Zwecke haben, aber das GEMA-Repertoire übermitteln ist es weniger. Also, weitersuchen…
Für einen kurzen Moment glaube ich an die “Musik bei Vorführungen von Narrenvereinigungen (Tarif WR-VR-K)”, weniger hingegen an ”Musik in Spielstätten auf dem Gebiet der musikalischen Nachwuchsarbeit (Tarif WR-NWSP)”. Musik in Verkehrsmittel? Nö, auch nicht, aber halt, das hier, das könnte was sein: Musik bei der Wiedergabe bei Bildtonträgern. Das ist es leider nicht (es bezieht sich mehr auf so Public Viewing-Zeugs), aber ich weiß jetzt, dass ich weiß jetzt, dass ich 10,50 Euro im Monat bezahlen müsste, würde ich diese Wiedergabe in einem Omnibus machen. Also, glaube ich wenigstens.
Aber man muss ihr lassen, dass sie echt kreativ ist, diese GEMA: Die Lizenz zur Wiedergabe von GEMA-Material bei Trauungen ist eine andere als bei Beerdigungen, was letztlich ja auch eine Frage des guten Geschmacks ist. Desweiteren gibt es:
- Nutzung von Werken des GEMA-Repertoires durch Weiterübertragung von Tonträgermusik mittels einer eigenen Verteileranlage, nicht in Hotels, Pensionen, Gasthöfen, Krankenhäusern, etc. (Tarif W-T 1)
- Nutzung von Werken des GEMA-Repertoires zur Herstellung eines Filmwerkes auf Bildtonträger für die öffentliche Vorführung außerhalb von Lichtspieltheatern und den privaten Gebrauch (Tarif VR-TH-F 2)
- Regelmäßige Erotikfilmvorführung (Tarif T-R-E) — nicht zu Verwechseln mit der Erotikfilmvorführung in Einzelkabinen
- Tarif der ZPÜ über die Vergütung für private Vervielfältigung für Speichermedien des Typs Audio-CD-R / -RW (Tarif Audio-CD)
- Tarif Premium-Radio (S-VR/PHf-Pr) für die Nutzung von Werken des GEMA-Repertoires durch private Veranstalter von Premium-Radio (alle Sendearten)
Was ich eigentlich suchte? Siehe oben. Gefunden habe ich nichts, zumindest nicht in einer auch nur halbwegs angemessenen Zeit. Ich habe nicht mal im Ansatz eine echte Idee, welcher Tarif für mich in Frage käme, wenn ich ein Webvideo als freier Journalist irgendwohin verkaufen wollen würde. Und welche Lizenz ich für Universalcode bräuchte (deswegen verwende ich grundsätzlich nur GEMA-freies Zeugs). Sollen wir was sagen dazu, wir Multimedia-Journalisten, die einfach nur eine simple Antwort auf eine simple Frage benötigen? Oder lassen wir in Sachen Komplexität dann doch das letzte Wort der GEMA, diesem irrsinnigen bürokratischen Monster, dem Zeitvernichter und Menschenindenwahnsinntreiber…(bevor Sie übrigens verzweifeln: drüben bei “Universalcode” gibt es eine feine Auflistung, wie Sie den GEMA-Irrsinn vermeiden können).
Sie müssen sich, um unsere Online-Services nutzen zu können, nur einmal auf unserer Website (hier klicken) anmelden. Nachdem Sie Ihre Registrierung abgeschickt haben, erhalten Sie eine E-Mail mit einem Sicherheitslink und der Bitte, Ihre Anmeldung per Klick zu bestätigen. Dieser Link führt Sie zurück auf unsere Website und Sie können dort Ihr Kennwort festlegen.
Wenn Sie bereits Online-Angebote der GEMA wie etwa die Werkrecherche nutzen, haben Sie eine Benutzerkennung für genau diese Anwendung erhalten. Die GEMA ist aktuell dabei, diese einzelnen Benutzerkennungen zusammenzuführen. Sobald man sich für diesen bestehenden Service auch über die ZBV anmelden kann, werden auch die Zugangsdaten zusammengeführt. Das bedeutet, Ihre alten Zugangsdaten gelten nicht mehr nur für den bestehenden Service – in unserem Beispiel die Werkrecherche –, sondern werden Ihr allgemeingültiges ZBV-Passwort.
Mit anderen Worten: Sie haben noch keine ZBV-Benutzerkennung, aber zum Beispiel eine Werkrecherche-Benutzerkennung. Dann wird diese zu Ihrem ZBV-Zugang. Wenn Sie bereits mehrere verschiedene Benutzerkennungen erhalten haben, werden Sie eine neue bekommen.
Andersherum funktioniert es genauso: Wenn Sie eine ZBV-Kennung haben, dann gilt diese auch für jeden neuen Service, der der ZBV angeschlossen wird.
Zusätzlich zu Ihrer ZBV-Kennung müssen Sie sich dennoch für jeden neuen Service, den Sie nutzen möchten, anmelden. Dies dient dem Schutz Ihrer Daten, die Sie als Mitglied oder Kunde der GEMA anvertrauen. Für bestimmte Services ist daher für beide Seiten wichtig, dass eine Prüfung und Bestätigung der Identität durch die zuständigen GEMA-Mitarbeiter vorgenommen wird.
Süddeutsche.de: Einfach besser gemacht
Onlinejournalismus ist an sich eine furchtbar einfache und unkomplizierte Sache. Wie überhaupt dieses Internet eine einfache Geschichte ist. Oder vielleicht sogar alle erfolgreichen Produkte — je einfacher, schnörkelloser und erkennbar gut sie gehalten sind, desto besser sind sie. Das Schwierige ist vermutlich, die schwierigen Dinge einfach zu machen. Diejenigen, die das können, haben in der Regel überwältigenden Erfolg, siehe Google, siehe Apple.
Speziell im Onlinejournalismus ist die Gefahr groß, dass man eine Webseite ordentlich überfrachtet. Hier noch eine Rubrik, da noch ein Kasten, darf´s eine Spalte mehr sein? Es gab da immer eine ganze Reihe von Kandidaten, süddeutsche.de war lange Zeit einer von ihnen. Ich fand es immer verblüffend, wie man bei der SZ nahezu alle Onlinechancen konsequent ignorierte und stattdessen ein Angebot hinstellte, dass einem Blatt wie der SZ kaum würdig war. Leider las es sich nicht nur schlecht, sondern war auch optisch wie eines dieser gruseligen freistehenden Einfamilienhäuser in Germering, wo man dann noch ein Erkerchen und ein Türmchen…
Süddeutsche.de hat sich in dieser Woche entschlackt. Und gezeigt, worauf es ankommt. Nämlich ein schlankes, übersichtliches Angebot zu machen, dass sich einfach nutzen lässt, in dem die Dinge da sind, wo man sie vermutet, wo die Neigung zumindest des deutschen Nutzers, einfach nur runterscrollen zu müssen, konsequent bedient wird. Es ist im Grunde nicht mehr als das, was Google auch getan hat. Du willst suchen? Hier ist das Suchfeld. Du willst Nachrichten und Geschichten? Hier sind sie. Man kann zwar durchaus bedauern, dass Nachrichtenseiten in Deutschland inzwischen häufig so aussehen wie ein Klon von “Spiegel Online”, aber das funktioniert eben; besser jedenfalls als das ganze “Zeitung-im-Internet”-Gedöns, an dem sich schon ein paar die Finger verbrannt haben. Der “Tagesspiegel” ist wieder reumütig zurück und bei der FAZ werden sie es schon auch noch lernen.
Jetzt die SZ also, deren Relaunch ohne großes Spektakel daherkommt. Das macht es aber gleichzeitig auch angenehm. Die Seite wirkt deutlich luftiger als ihre Vorgängerversionen, dazu trägt auch der entrümpelte Seitenkopf bei, der vorher ein bisschen wie ein Banner für ein Bestattungsinstitut aussah. Jetzt steht da nur noch “Süddeutsche.de” und “Neueste Nachrichten” und die Uhrzeit. So einfach sind die Dinge manchmal eben. Zuvor war da ein schwarzer Grabstein und viel unmotiviertes Grün und manchmal hat was geblinkt.
Es gibt nicht sehr viel zu mäkeln am Relaunch der SZ. Die Überschriften kommen immer noch etwas groß und klobig daher und beeinträchtigen das luftige Bild der Seite etwas. Farben für diverse Ressorts gefallen mir grundsätzlich gut, mit denen, für die sich die SZ entschieden hat, kann ich mich nur bedingt anfreunden (aber das ist zugegeben geschmäcklerisch). Und ja, das neue “Digitalblog” ist eigentlich kein Blog geworden bisher, sondern eher eine Ansammlung von Beiträgen, von denen man bisher kaum erahnen kann, warum da “Blog” drüber steht.
Trotzdem, jetzt ist der Platz da, damit sie das können, was sie bei der SZ am besten können: gute Geschichten schreiben, mit witzigen Überschriften spielen, Themen setzen, kommentieren. Ich glaube, dass es keine Zeitung in Deutschland gibt, die dafür ein solches Potential hätte wie die SZ. Bisher haben sie das gut versteckt in Erkerchen und Türmchen, unter sinnbefreiten Klickstrecken und einer eher inkonsistenten Mischung aus irgendwas. Jetzt sieht das nach sehr ordentlichem Onlinejournalismus aus und das alleine ist ja auch schon was: Dass man jemals der SZ so etwas wie Konkurrenz- und Zukunftsfähigkeit in Sachen Internet attestieren könnte, hätte man sich vor einem Jahr auch noch nicht gedacht. Und dass mit den Farben und Schriften und den Blogs lernen sie auch noch in München, ganz sicher.
(Hinweis: sueddeutsche.de-Chefredakteur Stefan Plöchinger und jetzt.de-Redaktionsleiter Dirk von Gehlen haben jeweils ein Kapitel für “Universalcode” geschrieben, mit beiden verbindet mich ein tendenziell sehr freundliches Verhältnis).
Wie ich mal beim Karrierehelfer beinahe keinen Job fand
Falls Sie sich in den vergangenen Tagen etwas über meine penetranten Postings in diversen sozialen Netzwerken gewundert haben, würde ich Sie jetzt erstmal gerne beruhigen: Nein, ich suche keinen Job, ich will mich beruflich nicht verändern. Lieb von Ihnen, wenn Sie an mich gedacht haben — und sorry, wenn ich Ihnen ggf. etwas Mühe bereitet haben sollte, aber das war ein Fake. Ein Selbstversuch. Über die Wunderwirkungen von Social Media, Networking und die Versprechungen, man müsse beinahe nichts mehr tun, weil durch soziale Netze alles von alleine zu uns kommt.
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Die Revolution der Jobsuche hat längst begonnen. Wie stark soziale Medien wie Facebook und Twitter oder Businessnetzwerke wie Xing und LinkedIn zukünftige Karrierewege beeinflussen, ist in den USA schon jetzt zu sehen. Die Chancen des Web 2.0 sind dort bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber kaum noch wegzudenken. Laut einer Studie des Recruitingdienstleisters Jobvite hat jeder sechste Befragte im laufenden Jahr seinen Job über einen Hinweis in sozialen Netzwerken erhalten. Noch vor einem Jahr traf das nur auf jeden zehnten zu.
Ausgerechnet Heiligabend. Der “Tagesspiegel” erzählt eine Geschichte , die ein bisschen was von Maria und Josef an sich hat. Herbergssuche respektive Jobsuche im digitalen Zeitalter, das ist, natürlich, nicht weniger als eine “Revolution”. Es ist ein bisschen unfair gegenüber dem “Tagesspiegel”, weil solche Geschichten inzwischen ja überall erzählt werden, nach meinem Eindruck ein bisschen unreflektiert und ein bisschen heilsbringerisch, aber das ist ein guter Anlass, mal selbst zu checken: Revolution in der Jobsuche, ein bisschen networken, nie wieder bewerben, Jobs via Twitter und Faceboook, wie schön. Funktioniert das?
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Meine Voraussetzungen sind gut, denke ich mir, als ich mich selbst auf die digitale Herbergssuche mache. Ich arbeite in einer Branche, in der soziale Medien vermutlich überproportional oft genutzt werden, wesentlich mehr jedenfalls als beispielsweise in Bäckereien oder Lohnbuchhaltungen. Ich bin ganz passabel vernetzt, ich bringe es auf 1600 Follower bei Twitter, knapp 500 Freunde bei Facebook, 1200 Menschen haben mich bei Google Plus gecircelt. Laut Statistik habe ich letztes Jahr alleine bei Gmail rund 15.000 Mails bekommen, laut Statistik erhalte ich deutlich mehr Mails als ich schreibe. Ich habe im vergangenen Jahr bei “WIRED” mitgearbeitet, habe ein paar Sachen für den “Elektrischen Reporter” gemacht, ein Buch herausgegeben, die zweite Auflage eines anderen Buchs herausgebracht — kurzum, ich bilde mir ein, dass es keineswegs aussichtslos und unangemessen ist, wenn ich der digitalen Welt meinen Wunsch nach Veränderung bekanntgebe. Weil Weihnachten vielleicht der nicht wirklich passende Zeitpunkt ist, warte ich noch bis zum 27.12., um dann nicht etwa verbrämt, sondern in aller Offenheit und Transparenz klarzumachen: Ich WILL einen neuen Job!
Als Crossposting geht das auch rüber zu Google Plus und in einer 140-Zeichen-kompatiblen-Version auch noch zu Twitter. Da bin ich Welt, jetzt wisst ihr es, die Karrierehelfer sind angeworfen und eigentlich müsste es doch jetzt nur noch prasseln.
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Dass dieser Trend auch in Deutschland greift, hat Mike Schnoor am eigenen Leib erfahren. Am 14. März schrieb der Kommunikationsprofi bei Twitter: „Suche neue Herausforderung. “ Wenige Worte, mit großem Effekt. 40 Personen leiteten Schnoors Gesuch an Bekannte bei Twitter weiter, 29 Menschen wiesen auf interessante freie Stellen hin und auch mehrere Headhunter machten dem gut vernetzten PR-Fachmann ein Angebot.
Ha, der Schnoor. Schreibt gerade mal “Suche neue Herausforderung” und kann sich kaum retten. Da bin ich mit meinem überaus freundlichen Text und der Beschreibung meiner Vorzüge deutlich weiter, denke ich mir. Richtig glaubhaft komme ich anscheinend aber trotzdem nicht rüber, der erste Kommentar meines Facebook-Eintrags lautet: Ist dir echt langweilig? Gut, dafür hat es bis zu diesem Eintrag wenigstens keine zehn Minuten gedauert und für mich selbst weiß ich, von wem er stammt, nämlich von jemandem, der mich ganz gut kennt und der möglicherweise geahnt hat, dass ich meine Selbständigkeit nicht mal eben via Facebook aufgeben werde. Dummerweise ist aber auch der zweite Kommentar eher spöttisch. Dafür bekomme ich ein paar “Likes”. Man liked es neuerdings also, wenn jemand auf Jobsuche ist? Komische Welt.
Was macht Twitter? Bei Kommunikationsprofi Schnorr waren es gerade mal 40 Retweets, das muss doch selbst an Weihnachten zu schaffen sein. Tatsächlich sind die Follower bei Twitter tatsächlich deutlich kooperativer und auch ernsthafter als bei Facebook. Gut, unter den Twitter–Angebots-Vorschlägen sind auch: Bundespräsident, Sportvolontär, Moderator bei Wetten, dass…Man lernt bei solchen Aktionen übrigens viel über schlechten Humor, den Schenkelklopfer mit Wetten, dass…habe ich mehrfach gehört. Einer belehrt mich, dass ich sofort wieder mit der Festanstellung aufhören würde, würde ich auch nur mal für eine Woche in seinem Laden arbeiten. Ich verzichte darauf, mich für das freundliche und gute Zureden zu bedanken. Konstantin Neven DuMont fragt nach, ob ich auch nachhaltigen Journalismus könne. Ich werte das aber als kleinen Seitenhieb auf eine leicht ironische Besprechung seines Evidero-Projekts, bei der ich mich ein wenig über die inflationäre Verwendung des Begriff ”nachhaltig” amüsiert habe. Tag 1 geht also erfolglos vorbei. Ich werde das Gefühl nicht los, mich eher zum Gespött gemacht zu haben. Warten wir ab, was Tag 2 bringt.
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Tag 2 bringt…ungefähr nichts. Ein paar Retweets, die ungefähr so erfolgreich sind wie Mario Gomez in seinen schlechtesten Zeiten. Ich schaue mal rüber zu Google Plus, von dem es ja gerne heißt, da sei es irgendwie ernsthafter und professioneller. Meine Ausbeute ist dort der Hinweis, dass man im Nordkorea gerade einen neuen Diktator suche. Ich bin zwischenzeitlich nicht unglücklich, dass diese ganze Geschichte nur ein Fake ist. Wie fühlt sich wohl jemand, der ernsthaft einen Job sucht, angesichts solcher lustiger Tipps? Tag 3 verläuft ähnlich, nur ohne Nordkorea.
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Ok, ihr wolltet es so. Ich muss ein bisschen mehr öffentlichen Druck aufbauen, klar machen, dass es mir ernst ist, dass ich raus will aus dem Elend der Selbständigkeit und mit nach VERÄNDERUNG ist:
Immerhin, vielleicht liegt es daran, dass das Weihnachtsessen inzwischen besser verdaut ist: Es kommen zwei Hinweise auf relevante und interessante Job, die ich allerdings mit ein wenig Recherche im Netz selbst gefunden hätte, weil sie ausgeschrieben waren. Besser als nichts, denke ich mir — aber trotzdem: Das ist jetzt der Karrierehelfer, die Revolution bei der Jobsuche? Zwei Stellenausschreibungen, die man auch hätte googeln können? Konstantin Neven DuMont empfiehlt mir, ich solle doch mal eine Mail an Evidero schreiben, da suche man nach Autoren. Bei Twitter schickt mir daraufhin jemand eine DM; ob ich wirklich zu Konstantin Neven DuMont wechseln will. Hmm. Erfolgreich sieht anders aus.
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Bereits zwei Wochen nach seinem Twitter-Eintrag hatte Schnoor die neue Herausforderung gefunden: Er wurde Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). Um seine Erfahrungen auch an andere Jobsuchende weiterzugeben, hat Schnoor für den BVDW einen Bewerberleitfaden mit dem Titel „Karrieresprungbrett Social Media“ entwickelt, in dem der Verband Ratschläge gibt, wie sich Jobchancen mit Facebook, Twitter & Co. erhöhen lassen. „Vor allem die großen Konzerne nutzen soziale Netzwerke bereits stark als Recruitingwerkzeug“, sagt Schnoor. „Bewerber, die diese Angebote nutzen, kommen oft schneller und einfacher an relevante Informationen.“
Ich beneide Herrn Schnoor. Nach zwei Wochen hat er einen neuen Job und einen Bewerberleitfaden schreibt er gleich noch dazu. Rebellion! Ich habe ein paar Likes bekommen, ein paar lustige und ein paar weniger lustige Kommentare.
Ausbeute an halbwegs ernsthaften Jobs: null.
Zahl der Headhunter, die sich bei mir gemeldet haben: null.
Zahl der großen Konzerne, die eine Recrutingaktion an mir vorgenommen haben: null.
Neigung bei mir, so etwas im Ernstfall wiederholen zu wollen: null.
Warum “everybody” doch nicht kommt
Vielleicht muss man das am Ende eines Jahres mal so deutlich sagen: In den vergangenen Jahren ist in Sachen Medienzukunft viel Wahres, aber leider auch einigermaßen viel Quatsch erzählt worden. Gerne und bevorzugt übrigens auch von mir. Wir haben in den letzten Jahren immer wieder mal Dinge als gottgegeben prophezeit und als unumstößliche Wahrheiten postuliert, von denen wir heute feststellen müssen: Ganz so ist es dann doch nicht gekommen, sorry for that. Wir haben in den vergangenen zehn Jahren den endgültigen Triumph der Blogs über den konventionellen Journalismus prophezeit, den Siegeszug der freien, überall erhältlichen und natürlich kostenlosen wie kollaborativen Nachrichten und den Beginn der aufgeklärten, kritischen und teilhabenden Mediengesellschaft. Und, ach ja, erinnert sich noch jemand an den Bürgerjournalismus, der die professionellen Journalisten ablöst? Bürger- und Hobbyreporter, die den ganzen Tag mit ihren digitalen Prosumergeräten stehen und lauern und nichts anderes im Kopf haben, als die Ergebnisse ihrer Arbeit sofort irgendwo hochzuladen und zu publizieren? Für mich war dieses Thema erledigt, als vor einigen Jahren “Bild” das Leserreporter-Foto des Jahres prämieren wollte und es dann doch nur ein Schnappschuss des im Papamobil vorbeifahrenden Papstes wurde. Seitdem kann ich mich zwar an ein paar gelungene Interaktionen und Einbindungen zwischen Redaktionen und Nutzern erinnern, aber das alles überragende bürgerjournalistische Projekt in Deutschland habe ich nicht gefunden (und ich glaube auch nicht daran, dass es noch kommen wird). Der Erzähler, die Person kann ein interessanter Nebenaspekt in einer Geschichte sein, wenn die Geschickte gut ist. Oder beides zusammenkommt. Aber, sorry Mr. Jarvis: Nie, wirklich nie dreht sich Geschichtenerzählen um irgendwas anderes als die Öffentlichkeit.
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Vielleicht ist ja auch das Jahresende einfach ein guter Zeitpunkt, um ein wenig Selbstkasteiung zu betreiben. In jedem Fall aber ist es ein Text des US-Journalisten Dean Starkman mit dem schönen Titel “Der Schwindel” (hier in der deutschen Übersetzung). Starkman geht ziemlich unfreundlich mit einer “Clique” um Menschen wie Jeff Jarvis, Jay Rosen oder Clay Shirky um, von denen er schreibt, dass sie im öffentlichen Diskurs momentan die Oberhand habe. Das ist vornehm ausgedrückt, mir drängte sich in den vergangenen Jahren der Eindruck auf, dass es beispielsweise bei Jarvis genügte, wenn er IRGENDWAS sagte, um sofort geretweetet, gepostet und gesonstirgednwast zu werden. Dabei war mir vieles von dem, was irgendwann in die öffentliche digitale Meinung einfloss, wahlweise zu idealistisch, naiv, weltfremd. Und, ja, auch das: zu platt. Mit Thesen wie “What would Google do?” kann ich nicht sehr viel anfangen, weil das tendenziell schnell auf dem Niveau von Erfolgsberatern und Motivationstrainers ist: Schau dir an, wie es XY macht und mach es dann genau so. Und auch an die anderen Thesen habe ich immer nur sehr eingeschränkt geglaubt. Inzwischen zeigt sich, wie unsinnig manches davon ist.
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Starkman hat einige sehr schöne Zitate der US-Gurus rausgekramt. Und ich finde, man kann sie mit einigem Recht inzwischen daran messen. “Narrativer Journalismus dreht sich um den Erzähler und nicht die Öffentlichkeit”, hat beispielsweise Jarvis mal geschrieben Das könnte man als Bagatelle abtun, wäre es nicht so fatal kennzeichnend für die Haltung, die in Digitalen inzwischen oft genug leider unreflektiert eingenommen wird. Ein Journalismus, selbst ein narrativer, der sich vornehmlich um den Erzähler dreht: Was wäre das noch außer Selbstbespiegelung, Eitelkeit, medialer Elfenbeinturm? Und was ist es für ein überaus merkwürdiges Selbstverständnis zu glauben, es würde irgendjemanden interessieren, wenn ein Journalist in narrativen Erzählungen sich um selbst dreht. Das ist im Übrigen auch immer der Grund, warum ich an manchen Selbstvermarktungsstrategien für (freie) Journalisten große Zweifel habe: Es ist der Inhalt, um den sich alles dreht, sogar bei Twitter, bei Facebook und all den anderen. Niemand will wissen, wie sich der Journalist gerade fühlt und wo er sich gerade rumtreibt, wenn es nicht irgendeinen inhaltlichen Kontext gibt, eine Information, einen Mehrwert. Wir können in unserem Beruf gut sein, konsequent, zielstrebig, kommunikativ – aber wir sind im Regelfall keine Stars, von denen persönlich man sehr viel wissen will. Einen Journalismus, der ein anderes Selbstverständnis hat, als irgendwie für die Öffentlichkeit da zu sein, möchte man sich lieber erst gar nicht vorstellen. Selbst dann nicht, wenn er plötzlich digital-narrativ ist.
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Man möchte ihn aber auf der anderen Seite auch nur ungern so gebeugt erleben, wie ihn andere aus der US-Szene beschreiben. John Paton schreibt davon, dass unser Marktwert (und vulgo damit auch unsere Leistung) “gleich null” sei. Clay Shirky meint sinngemäß, Nutzer könnten Nachrichten inzwischen auch selbst verbreiten und würden dadurch bedingt lernen, dass es nichts Besonderes mehr sei, sie zu produzieren (weswegen eben auch unser Marktwert sinkt). Dan Gilmore fühlt sich “befreit” durch das Wissen darüber, dass seine Leser zusammen sehr viel mehr wüssten als er. Das alles beschreibt richtige Tendenzen und zieht doch die falschen Schlüsse. Ja, natürlich wissen 15 Menschen im Regelfall mehr als einer. Ja, der Stellenwert der Nachricht hat sich verändert und ja, man kann sie inzwischen auch als Nutzer weiter verbreiten, wiewohl man sie immer noch im seltensten Falle selbst erzeugen kann. Aber genau das ist der Punkt: Der Vertriebsweg ändert sich, die Kommunikation ändert sich. Was sich nicht ändert: der Job des Journalisten, Nachrichten und gute Geschichten zu recherchieren und zu veröffentlichen. Den Stoff für eine Anschlusskommunikation zu liefern oder eben auch für die ganzen wunderbaren sozialen Plattformen. Ohne Nachricht, ohne Geschichte gibt´s auch nichts, was man teilen könnte.
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Sieht man davon ab, dass es schon ganz gute Gründe darf gibt, warum man den Journlistenberuf tatsächlich lernen kann und auch soll, gehen die “Wir haben keinen Wert mehr, weil´s jeder kann”-Propheten auch von einer elementar falschen Grundvoraussetzung aus. Nur weil es technisch künftig jeder kann, kann es noch nicht jeder handwerklich. Mindestens genauso wichtig: Vielleicht wollen es viele ja auch gar nicht. Hört man Shirky et al zu, könnte man glauben, die Menschheit habe nur darauf gewartet, endlich selbst publizieren zu können. Was aber, wenn dem gar nicht so ist? Was, wenn unser Publikum es tatsächlich als eine ganz kommode Lage empfindet, uns mal machen zu lassen? Wenn es uns gerne liest und sieht und manchmal auch völlig zu recht kritisiert — ohne aber deswegen auf den Gedanken zu kommen, die ganze Sache jetzt mal selbst in die Hand zu nehmen? Kaum vorstellbar. Und auch nicht verwunderlich. Das Verhältnis zwischen denen, die publizieren und denen, die konsumieren, ist seit jeher ungleich. Daran wird sich nichts ändern, man darf kopieren/weitergeben eben nicht mit produzieren verwechseln. Here comes everbybody? No way, weil everybody gar nicht will. Die Gedanken der digitalen Avantgarde sind deswegen nicht massentauglich, weil es eben die Gedanken einer Avantgarde sind (gerne zugegeben sei allerdings an dieser Stelle, dass ich mich mit manchem, was ich hier in den vergangenen Jahre geschrieben habe, auch getäuscht habe).
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Könnte also gut sein, dass es uns so schlecht gar nicht geht mit dem Journalismus. Dass es bei aller inhaltlichen Alltagskritik und allen digitalen Wandlungen immer noch ein Grundbedürfnis nach solide recherchierter Information und guten Geschichten gibt. Dass man der Seite 3 der “SZ” möglicherweise doch noch mehr glaubt als einem Blogger, wobei gerade dieses Bild sinnbildlich stehen kann für die Veränderung: Ganz früher hätte es den Blogger erst gar nicht gegeben, dann hätte man ihn pauschal gar nicht als Alternative in Erwägung gezogen, inzwischen kann unter Umständen der Blogger auch mal besser oder zumindest ergänzend zur Seite 3 sein.
Vorschau 2012: Leben am “I hate to be right foursquare”
Januar: Das Jahr beginnt mit einem Paukenschlag: Die “Huffington Post” kommt nach Deutschland, wie durch eine eher ungeplante Kommunikation bekannt wird. Herausgegeben wird sie zur Überraschung vieler von Conde Nast. Wie der Verlag mitteilt, wird Thomas Knüwer Chefredakteur. Nachdem Knüwer ohnehin gerade mit der Zweitausgabe von WIRED (Schwerpunktthema: Gebt Deutschland den Nerds) beschäftigt ist, beschließt der Verlag, dass eine gedruckte Ausgabe der HuPo zusammen mit WIRED einem in einem Bundle mit der GQ erhältlich sein wird. An seinem Job kommen Knüwer erste Zweifel, als er in München auf offener Straße von einer Delegation des Blogs “Mädchenmannschaft” mit faulen Eiern beworfen und mit Sprechchören wie “Was steht an jeder Ecke? Macker verrecke! Was steht an jedem Haus? Machos raus!” durch den Tag begleitet wird. Bundespräsident Wulff hat inzwischen die Suche nach einem neuen Sprecher beendet. Die Wahl fällt auf Sascha Lobo, der Wulff als erstes eine neue Frisur verpasst. Aufkeimende Kritik an Lobo für dieses Engagement kontert der fröhliche Irokese damit, dass er Wulff zwar auch doof finde, generell aber als Werber dafür werbe, für was er bezahlt wird. Weil Wulff gerade etwas klamm ist und das Lobo-Jahresgehalt von 520.000 Euro nicht bezahlen kann, zieht Lobo vorerst in ein Klinkerbaus in Großburgwedel. In einem Kommentar für evidero.de fragt sich Konstantin Neven DuMont, ob das wirklich als nachhaltige Politik zu bezeichnen sei. In der FAZ sorgt Frank Schirrmacher mit seiner Forderung nach einem “europäischen Facebook”, die er in einem dreiseitigen Aufsatz aufstellt, für Aufsehen.
Februar: Mario Sixtus gibt überraschend sein Format Elektrischer Reporter auf. Das ZDF weist die Kritik, Sixtus habe seinen neuen Job als Moderator von “Wetten, dass…” insbesondere seinen guten Beziehungen zum überraschend neu gekürten ZDF-Chefredakteur Thomas Knüwer zu verdanken, als haltlos zurück. Konstantin Neven DuMont fordert dennoch eine nachhaltige Reform des ZDF. Das Publikum der FAZ staunt über einen Schirrmacher-Aufsatz mit dem Titel “Wäre Oskar Lafontaine doch der bessere Bundeskanzler gewesen?” .
März: In der ARD sorgt die Wahl von Richard Gutjahr in das Amt des neu geschaffenen Super-Intendanten für einige Irritationen. In einem ersten Schritt verringert Gutjahr das Personal um 80 Prozent, ersetzt alle Kameras durch iPhones, moderiert nahezu alle Sendungen selber und reformiert das Programm. Neuer Sendeplatz von Beckmann ist bei Facebook, Sandra Maischberger darf nur noch twittern, Frank Plasberg fühlt sich durch die Versetzung zu Google + degradiert. Die interaktiven Tagesthemen moderiert grundsätzlich Gutjahr von irgendeinem Ort der Welt aus, an dem er sich gerade befindet. Für Erstaunen sorgt auch das neue ARD-Logo, in dem sich eine “1″ um einen angebissenen Apfel rankt. Das “Wort zum Sonntag” besteht ab sofort aus jeweils 5-Minuten-Episoden aus der Biografie von Steve Jobs. Zu stoppen ist Gutjahr trotzdem kaum. Schließlich wurde er mit nur einer Gegenstimme von Monika Piel (“Wer ist das überhaupt, dieser Gutjahr?”) ins Amt gewählt. In einem Kommentar für evidero.de spricht sich Konstantin NevenDuMont für mehr Nachhaltigkeit in dieser Programmreform aus. Frank Schirrmacher veröffentlicht ein Gespräch mit Sahra Wagenknecht über das Thema “Raubtier-Kapitalismus” unter dem Titel “Vorerst nachhaltig gescheitert”. Spekulationen tauchen auf, ob Schirrmacher mit Wagenknecht, Guttenberg, Gabriele Pauli und Konstantin Neven DuMont eine neue Partei aufmachen will.
April: Das ZDF präsentiert sein neues Moderatorenduo für die Fußball-EM 2012. Die Überraschung ist nicht sehr groß, als Chefredakteur Knüwer verkündet, diese Aufgabe selber übernehmen zu wollen. Lediglich seine Begründung, mit der er den Trainer von Preußen Münster als Nachfolger des geschassten Olli Kahn als neuen Experten einführt, halten Menschen, die wirklich etwas von Fußball verstehen, für gewagt. Unterdessen erscheint das erste WIRED-HuPo-GQ-Bundle mit einem sagenhaften Gimmick, nämlich Panini-Sammelbildchen. Das Unboxing des ersten Bundles wird live in der ARD übertragen, für die sich Hyperchefredakteur Gutjahr drei Tage lang vor den CondeNast-Verlag in München in einem kleinen Zelt einquartiert hatte und nun als erster auf diesem Planeten ein Bundle in der Hand hält.
Mai: In Baku platzt die Neuauflage des ESC-Blogs von Stefan Niggemeier und Lukas Heinser, weil Heinser überraschend und zwangsweise zum neuen Nationaltrainer Aserbaidschans berufen wird. Das Angebot des Landes, dafür mit Berti Vogts das Bakblog zu gestalten, lehnt Niggemeier ab. Umgekehrt legt Aserbaidschan keinen Wert darauf, dass Niggemeier Heinsers Co-Trainer wird. Auch eine Intervention von Bundespräsident Lobo kann diese dramatische Wendung der Dinge nicht mehr verhindern. Konstantin Neven DuMont wertet die Vorgänge allerdings als eine Chance zur nachhaltigen Verbesserung der Beziehung zwischen den Ländern, plädiert aber gleichzeitig auch für seine deutliche Absenkung der Fangquoten für Thunfisch.
Juni: Der Gewinn des EM-Titels geht einher mit dem Scheitern der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Für das ZDF bringt dies den auch aus Kostenaspekten kaum zu überschätzenden Vorteil, dass Fußballexperte Knüwer nach der Übertragung des Finales sofort in das heute-journal umschalten kann, wo Moderator Steffen Seibert Regierungssprecher Knüwer ausführlich befragt. “Ein tolles Duo”, jubiliert Chefredakteur Knüwer, der gleichzeitig eine Umbenennung der Sendung in WIRED-journal ankündigt.
Juli: Der “Spiegel” veröffentlicht ein Gespräch mit Helmut Schmidt zur Frage, wer Nachfolger von Angela Merkel werden soll. Schmidt zieht an seiner Zigarette, deutet auf das neue WIRED-Titelbild, auf dem Chefredakteur Knüwer sich selbst abgebildet und praktischerweise auch gleich ein Interview mit sich selbst ankündigt hat — und knurrt: ” Er kann es.” Knüwer selbst gibt seine Kandidatur via Twitter bekannt, kurz darauf wird er von Bundespräsident Lobo vereidigt. Im WIRED-journal lobt ZDF-Chefredakteur Knüwer die Wahl Knüwers als eine gute Wahl, weiß aber kurzzeitig nicht mehr genau, zu welchem Job genau er sich gratulieren soll. Für kurze Aufregung sorgt, als Knüwer für seine Regierungszeit ein paar “Zückerchen” ankündigt und sich dafür einen bösen Rant von Felix Schwenzel einfängt. Frank Schirrmacher schreibt in der FAZ, dass wir ein gemeinsames europäisches Blog brauchen. Konstantin Neven DuMont unterstützt diese Forderung, solange das Blog auch den Nachhaltigkeitsgedanken nachhaltig unterstützt.
August: Spektakuläre Wende im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: ARD-Hyperintendant Richard Gutjahr und ZDF-Chef Thomas Knüwer beschließen die Fusion ihrer Sender. Beide begründen dies zum einen mit medienpolitisch gebotener Vernunft, zum anderen aber auch mit ihren anderen Jobs. Nachdem eine Putzfrau auf einer Konferenz versehentlich einen Zetre vergessen hat, aus dem eindeutig hervorgeht, dass WIRED künftig monatlich erscheint, kann auch Knüwer nicht mehr die Wahrheit hinterm Berg halten. Die Nachrichten von ARD und ZDF werden künftig generell gemeinsam ausgestrahlt, sind interaktiv und werden generell von Richard Gutjahr via Livestream von dort aus moderiert, wo er zufällig gerade ist. Neuer gemeinsamer Programmdirektor wird Markus Hündgen, auf den man sich einigt, weil er ohnehin für das ZDF schon den Mayortitel bei Foursquare hält. Sein erstes neues Format “Reporter ohne Reporter und ohne Kamera”, nicht moderiert von Mario Sixtus, sorgt für Diskussionen. Stefan Niggemeier schreibt darüber im “Spiegel” ein launiges Medienlexikon mit dem lustigen Titel “Hünd/chen”, Frank Schirrmacher begrüßt die Fusion, fordert aber gleichzeitig, dass wir eine europäische öffentlich-rechtliche Medienbehörde unter Aufsicht von Marcel Reich-Ranicki benötigen.Konstantin Neven DuMont bringt sich für den Job ebenfalls ins Spiel, sagt aber dann ab, weil es in der Kantine des neuen Supersenders keinen Karpfen geben soll.
September: Die neue FAZ-Herausgeberin Sahra Wagenknecht entlässt überraschend ihren großen Förderer Frank Schirrmacher und auch die anderen Herausgeber. Das Gremium, bestehend aus ihr selbst, heißt ab sofort Zentralkomitee zur Herausgabe hervorragender publizistischer Leistungen. Im “Neuen Deutschland” veröffentlicht Schirrmacher einen Aufsatz mit dem Titel “Hatte Oskar Lafontaine doch recht?”. Im WIRED-journal antwortet Schirrmachers großer Gegenspieler Knüwer mit einem schlichten “Nein”, Konstantin Neven DuMont ist der Auffassung, dass das schon sein könne, letztendlich aber nicht nachhaltig genug sei.
Oktober: Sascha Lobo schafft es als erster Twitterer weltweit, dass ein Tweet von ihm geretweetet wird, bevor er ihr abgesetzt hat. Frank Schirrmacher fordert in 140 Zeichen die Einführung eines europaweiten gemeinsamen Twitters. Enttäuschung herrscht allerdings in der Szene, als bekannt wird, dass Bundespräsident Lobo gar nicht selbst twittert, sondern dieser Job von seinem Sprecher Christian Lindner, gleichzeitig Chefredakteur der Rhein-Zeitung, erledigt wird. Die Enttäuschung ist umso größer, als dass in den USA gerade dazu übergegangen wurde, Barack Obama den “amerikanischen Lobo” zu nennen. Da hilft es wenig, dass Thomas Knüwer auch Chris Anderson in den USA ablöst und man Mrs. Huffington empfiehlt, sich ein Beispiel an Richard Gutjahr zu nehmen.
November: Richard Gutjahr kauft Apple.
Dezember: In der aktuellen Ausgabe der WIRED gibt Bundespräsident Lobo bekannt, was ohnehin schon lange überfällig war. Eine zentrale digitale Journalismus-Agentur, die mit Thomas Knüwer, Richard Gutjahr, Mario Sixtus und Markus Hündgen für eine konsequente crossmediale Verteilung von allem nach überall sorgt. Nachhaltigkeitsstaatssekretär wird zur Überraschung aller Frank Schirrmacher, weswegen Konstantin Neven DuMont seine Auswanderung ankündigt. An seinem neuen Wohnsitz im kanadischen Halifax zieht er in eine nachhaltig errichtete Villa am “I hate to be right foursquare”.
2012 – oder: Bleibt alles anders
2011 ist man mit ein bisschen Glück einer ganzen Reihe von ehemals halbanalogen Menschen aus der Branche begegnet, die ziemlich stolz auf sich und zufrieden mit der Medienwelt waren. Das waren sie in erster Linie, weil sie sich angekommen glaubten im digitalen Wunderland. Man sei bei Facebook und bei Twitter, manche haben jetzt auch Blogs, und, achja, natürlich sei man auch im Internet, manchmal sogar mit Videos. Das ist — bei aller Überspitztheit — sehr häufig die Lage am Markt. Das war schon mal schlimmer, könnte man jetzt denken. Schließlich sind die Zeiten noch nicht so lange zurück, in denen die Notwendigkeit von digitaler Veränderung schlichtweg negiert wurde. Das also ist vorbei. Und trotzdem: 2012 dürfte sich so viel verändern, dass das vermeintliche Aufholen eines Rückstands dann schon wieder einem Hinterherlaufen gleichen wird. Oder anders gesagt: Ich glaube sehr fest daran, dass am Ende des nächsten Jahres sich der Journalismus und seine Rahmenbedingungen so stark verändert haben werden, dass man irgendwann davon sprechen wird, wie alles anfing, damals, 2012…
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Es war in diesem Jahr sehr viel von Richard Gutjahr die Rede, auch hier auf dieser Seite. Gutjahr verstand es großartig, sich selbst und seine Projekte in Szene zu setzen. Mal kabbelte er sich ein bisschen mit der ARD-Vorsitzenden auf einem Podium, dann berichtete er live und multimedial aus Ägypten. Das verleitete eine ganze Menge so genannter Experten, Gutjahr vor allem als das Paradebeispiel einer gelungenen Selbstvermarktung zu benennen. Der Journalist als Marke, dieser ganze Kram, Sie wissen schon. Das allerdings dürfte der größte Trugschluss des vergangenen Jahres sein. Und er führt andere in die falsche Richtung. Weil sie meinen, es würde reichen, ein bisschen zu trommeln und ab und an einen Link bei Facebook zu setzen, welch atemberaubende Geschichte man jetzt gerade wieder irgendwo veröffentlicht hat. Ich habe rührend-naive Versuche in dieser Richtung gesehen, u.a. den einer mäßig bekannten Journalistin, die einfach mal bei Facebook eine “Fan-Seite” eingerichtet hat. Die Fan-Zahlen blieben in einem sehr überschaubaren Bereich, was nichts gegen die Dame heißen soll. Sondern einfach nur: Es ist absurd zu glauben, dass ein Journalist irgendetwas erreicht, weil er auf Facebook vertreten ist und ab und an einen Tweet absetzt. Natürlich war das auch bei Gutjahr nicht so. Andersrum wird eher ein Schuh draus: Man (Achtung, FDP-Deutsch) liefert erst einmal. Man geht als Journalist in Vorleistung, wenn man schon unbedingt den Marketing-Gedanken bemühen will: Man präsentiert sich mit seinem Können, seiner Arbeit. Erst einmal sind Blogs, Facebook und Twitter nichts anderes als eine Art Schaufenster. Und natürlich müsste in diesen Schaufenster schon auch was drin liegen.
Bloß was? Blogger und Journalisten haben in den letzten Jahren von wenigen Ausnahmen abgesehen eher reagiert statt agiert. Sie haben, wie Wissenschaftler das gerne so nennen, für “Anschlusskommunikation” gesorgt. Was sie nicht getan haben: das, was Journalisten an sich so tun. Nämlich Themen zu setzen, sie selber zu recherchieren, schlichtweg selbst zum Medium zu werden. Bisher haben sich Journalisten bei ihren Netzaktivitäten eher darauf beschränkt, Dinge zu kommentieren. Kann man machen, man kann so eine Art Universalkommentator für alles und jeden werden. Oder aber eben den anderen Weg gehen: eigene Geschichten machen, Journalismus nicht mehr als Privileg von irgendwo verorteten Redaktionen begreifen. Weil Richard Gutjahr von solchen Geschichten in den letzten 12 Monaten eine ganze Menge gemacht hat, ist er bekannt geworden. Nicht, weil er sich mit Monika Piel gerauft hat oder andere lustige Dinge tut. Das ist eher Nebensache.
Eine Massenbewegung ist aus diesen storyerzählenden Journalisten natürlich noch nicht geworden, aber so ganz alleine ist Richard Gutjahr dann auch nicht mehr (er ist vermutlich nur der einzige mit einer derart hohen Konstanz und Themenbreite). Ich stoße in letzter Zeit immer öfter auf gute Geschichten bloggender Journalisten, von denen ich mir denke, sie hätte jeder “professionellen” Redaktion sehr gut getan. Der ZDF-Volontär Martin Giesler beispielsweise hat eine Serie gestartet, in der er erfahrene Journalisten (Hinweis: Ich bin auch dabei) fragt, wie sie täten, stünden sie heute am Ende ihres Volontariats. Gießler hat es mit dieser Geschichte inzwischen auch auf die Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung gebracht -- und ich denke mir bei solchen Fällen immer: Hey, Medienmagazine, warum habt ihr sowas nicht? Oder anders: Es gibt keinen Unterschied mehr, ob ich eine solche Sache im Netz bei einem ZDF-Volo oder in irgendeinem Fachmagazin bekomme.
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Das ganze wird natürlich unübersichtlicher und schwieriger für Journalisten und Nutzer. Einen derart fragmentierten Markt noch im Blick zu behalten, fällt sogar Profis schwer. Es wäre also kein großes Wunder, wenn Aggregatoren 2012 erheblich an Bedeutung gewinnen würden. Aggregieren und kuratieren, zwei Aufgaben, die nicht nur streng genommen zu den Aufgaben von Journalisten gehören, trotzdem bisher aber kaum wahrgenommen werden (eine Übersicht einiger Aggregaotoren findet sich hier). Es passt in diesem Zusammenhang übrigens gut, dass die Neuauflage von Rivva nicht etwa von einem Medienunternehmen unterstützt wurde. Sondern von, kurios genug, BMW. Soll heißen: Es wäre für jede Redaktion eine gute Idee, sich auch über das Aggregieren von Inhalten Gedanken zu machen. Was erstaunlich ist: Im Lokalen gibt es so gut wie keine Überlegung, dieses Thema anzugehen. Dabei wäre ein regionales Inforportal, basierend auf einem klugen Algorhytmus, ein Projekt, das man wirklich mal gerne sehen würde. Aber davon abgesehen wird ein Trend ganz sicher sein, dass Journalisten und Redaktionen den Gedanken vergessen müssen, jede Information komplett selber zu erstellen. Das geht nicht mehr, das muss auch nicht sein — und ja, letztendlich ist es auch eine Form von Information, einem Nutzer zu sagen, wo er was findet. Hatten wir nicht schon vor 20 Jahren gelernt, dass man dem Leser Orientierung geben muss?
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Weil wir gerade beim Thema Orientierung sind: Vermutlich werden wir uns beim Thema Social Media 2012 wieder mal neu orientieren müssen. Bei Dingen wie Facebook ist das, was wir im Beraterdeutsch so schön “kritische Masse” nennen, schon lange überschritten, eigentlich ist sie sogar –überzogen. Man muss sich als kommunizierendes Etwas schon seine Gedanken machen, wie sinnvoll es ist, in einem restlos überlaufenen Raum mit seinem hunderten Millionen Nutzern auch noch dazwischenreden zu wollen. Welchen Sinn macht es, irgendwas bei Facebook zu machen, nur weil irgendwie alle da sind und fröhlichen Quatsch posten? Man wird also nachdenken, nachdenken müssen. Wo erwischen wir die Leute, wo ist wer, wo können wir uns mit ihnen unterhalten, sie informieren, wo haben sie überhaupt Lust auf uns? 2012 wird das Jahr, in dem die Losung “Wir machen da mal was bei Facebook” nicht mehr ausreichen wird.




